Jahreszeitlich aktuelle Infos

Tipps für Igelpfleger

Geduldsprobe

Wer sehnt sich mehr nach der Auswilderung ...

... Igel oder Igelpfleger/in? Das ist hier die Frage!

Nein, auch jetzt, Ende April, ist es noch zu früh für die Entlassung und Auswilderung von Mecki & Co., so lange das Wetter noch so sehr instabil ist und die Temperaturen nachts noch bis auf wenige Grad über 0°C sinken. Einige meiner Pfleglinge, die in Außengehegen untergebracht sind, haben es vorgezogen, sich nochmal ein paar Tage in Winterschlaf zu begeben. Und ehrlich gesagt: Ich bin für jeden Igel dankbar, der schläft, denn zum einen reduziert sich der tägliche Putz- und Arbeitsaufwand deutlich. Zum anderen ist es aber auch besser für den Igel, der sich wahrscheinlich auch nach der großen Freiheit draußen sehnt und langsam ungehalten wird – auch wenn dann nicht jeden Abend pünktlich ein köstliches Igelmahl auf dem Boden steht.

Meine Igelfreundin Karin Oehl, Inhaberin einer stark frequentierten Igelstation, rät dazu:

»Nicht den Tag vorbestimmen, sondern immer nach dem Wetter und der Wetterprognose schauen! Wenn eine längere Schönwetterphase ist, kann man auswildern. Dann haben sich die Tiere zurecht gefunden und überstehen auch mal ein paar kältere Tage. Aber – sie müssen gesund sein und ihre Unterschlüpfe haben und ggf. ihre Futterquellen kennen.

Die Nachttemperaturen sollten ein paar Nächte + 8°C nicht unterschritten haben, und es sollte so schnell kein Kälteienbruch in Sicht sein. Erst dann ist der Boden ausreichend erwärmt, so dass den Igeln ihre Futtertiere wieder zur Verfügung stehen.«

Meine eigenen Pfleglinge haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Paul & Paulinchen sind noch bei meiner Bekannten Sigrid im Außengehege in Pension – sie haben viel geschlafen und waren erst kürzlich wieder einmal aktiv.

Pünktchen, EinPunkt und ZweiPunkt habe ich von Guido und Inna zurückerhalten, wohlgenährt und und gesund.Pünktchen in seinem Nest Pünktchen ist ins Auswilderungsgehege umgezogen. Nach einigen Tagen hat er sein hölzernes Schlafhaus mit dem warm ausgestopften Innenkarton gegen ein selbstgebautes wunderschönes Igelnest getauscht. Er hat dazu eine kleine Kuhle in die Erde gegraben und sich dann mit einem Haufen Laub umgeben; die trockenen Blätter hatte ich an einem Platz im Gehege bereitgelegt. Pünktchen hat zusätzlich Tulpen- und Efeublätter für sein Bauwerk abgepflückt und eingetragen. Im Foto ist er links von der Mitte zu erkennen – zum Vergrößern bitte das Foto anklicken! Das Nest ist unter dem erhöhten Boden eines Kleintierhauses, also perfekt geschützt. EinPunkt ist aus dem Auswilderungsgehege entkommen, hat aber sofort eine Schlafstelle auf unserer Terrasse entdeckt und kam regelmäßig zur Futterstelle, so dass ich ihm die Freiheit gelassen habe. Igelgehege DreiPunkt ist von seinem Quartier im Steinhaus ins Gehege umgezogen und scheint sich dort wohlzufühlen. In einer Nacht hat er sich ein Erdnest mit etwas Zeitungspapier als Decke in der Futterpalette gebaut; inzwischen bewohnt er wieder seine Holzhütte. ZweiPunkt wohnt in einem 3-Raum-Gehege auf der Terrasse, hat aber noch nicht ganz abgeschlossen mit dem Winterschlaf; mal kommt er raus und frisst ein wenig, dann schläft er mal wieder ein paar Nächte durch. Unserer guten alten Meike habe ich Anfang April in einer der wenigen Schönwetterphasen dieses Jahres die Freiheit zurückgegeben. Sie kennt sich bei uns bestens aus, kennt alle wesentlichen Plätze und hat wohl nicht mehr so ein langes Leben vor sich, dass sie unnötig lang eingesperrt sein sollte. In ihrem ehemaligen Gehege auf der Terrasse steht die Tür immer offen, es gibt ein kuscheliges Schlafhaus und regelmäßiges Futterangebot. Wer auch immer einzieht und dort schmaust, das Gehege erfreut sich großer Beliebtheit, und mir scheint, dass manchmal sogar zwei Igel im Schlafhaus übernachten – um die Stachler nicht zu stören, führe ich keine Kontrollen durch.

Pilzfee, deren Stacheln vor dem Winter anfingen zu sprießen, hat keine neuen Stacheln bekommen, dafür hatte sie aber kürzlich Unmengen von Kokzidien (Einzellern), gegen die ich sie behandeln musste, ebenso Püppi. Beide Mädels werde ich erst in einiger Zeit wieder ins Außengehege setzen können. Peppi, der eine Rührei-Fan, schläft grad im Außengehege; Postillon, der andere Rührei-Fan ist heute, am 24. April, mit eigener Holzaußen- und Papp-Innenhütte ins auswilderungsgehege gezogen. Beide Igel weigern sich hartnäckig, etwas anderes als Rührei zu fressen, es ist zum Verzweifeln! Und Primadonna, die mindestens ebenso kahl ist wie Pilzfee, verschläft den Winter. Das ist ja auch das beste, was sie tun kann. Wer tief schläft, nimmt nicht viel ab und langweilt sich nicht ...

 


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»Guten Aaaaabend!«

Die ersten Igel sind wieder unterwegs

Auch im Norden Deutschlands hat der Frühling Einzug gehalten. Es ist Anfang April, und die Pflaumenbäume blühen, die Tulpen öffnen ihre Kelche und seit kurzem sind die ersten Igel in unseren Gärten wieder unterwegs. Aber das war kein wirklich langer und tiefer Winter für sie, und dadurch, dass die Temperaturen oft deutlich über 0 °C lagen, war für manchen Igel der Winterschlaf in Freiheit nicht gerade eine entspannte Sache. Denn sinken die Temperaturen nicht tief genug, sondern stagnieren so um die 6 bis 10 Grad, können die Igel weder ruhig schlafen noch können sie Futter zu sich nehmen – es gibt ja auch nix für sie im Winter zu finden. Sie verlieren dann schnell Gewicht, was nicht der Fall ist, wenn sie tief schlafen.

Auch wenn die Natur schon grünt und Bienen und Hummeln an den frühblühenden Sträuchern, Bäumen und Blumen Nektar und Pollen sammeln, gibt es noch zu wenig Nahrungstiere für die wilden Igel, die jetzt unsere Gärten auf Futtersuche durchstreifen. Am besten hilft man ihnen so:

  • täglich frisches Wasser im Schälchen bereitstellen
  • Katzennassfutter anbieten – bitte mit etwas Rührei, ein paar Tropfen Öl und ein paar Haferflocken oder Igel-Trockenfutter angereichert

Wie man Igel draußen ratten-und katzensicher Futter anbieten kann, finden Sie hier.

Da die Igel viel Gewicht verloren haben, ist ein Schälchen Trockenfutter zwar eine nett gemeinte Notreserve, wird aber verschmäht, wenn es Nahrhafteres zu finden gibt. Wir als Menschen kämen ja auch nicht auf die Idee, uns mit trockenem Knäckebrot aufzupäppeln, wenn wir stark abgenommen haben ...

Und was ist mit den Igeln in menschlicher Obhut, die jetzt ihren Winterschlaf beendet haben?

Achtung:
Zum Auswildern der überwinterten Igel ist es noch zu früh!

Wer einen Jung-Igel der letzten Saison überwintert hat, sollte sich durch die milden Temperaturen und das »Herumtoben« des wiedererwachten Winterschläfers nicht dazu verleiten lassen, ihn jetzt schon wieder in die Freiheit zu entlassen!

Meike will rausAuch wenn nicht so ganz klar ist, wer die Auswilderung mehr herbeisehnt – Sie oder Ihr Igel –, tun Sie ihm nichts Gutes, wenn Sie ihn zu früh entlassen: Er hat kein Winterschlafnest, kennt wahrscheinlich die Futterplätze in der Umgebung nicht, weil er noch zu klein dafür war, als er aufgenommen wurde, und die Speisekarte für freilaufende Igel ist noch extrem karg.

Nutzen Sie die Zeit, den deutlich leichter gewordenen Igel mit guter Kost aufzufüttern!

Er sollte vor der Entlassung in einigen Wochen mindestens so viel wiegen wie zu dem Zeitpunkt, als er in Winterschlaf gegangen ist. Wenn er nicht zunimmt bzw. auffälligen Kot absetzt (grün, blutig, dünn, schmierig, stinkend), dann ist eine Kotuntersuchung auf Innenparasiten sinnvoll und notwendig.

Jetzt ist auch höchste Zeit, ein ausbruchssicheres Auswilderungsgehege für die Übergangsphase von Karton zu Freiheit vorzubereiten. Igel, die unter 200 Gramm Aufnahmegewicht hatten, sollten 14 Tage an die Natur gewöhnt werden, also am besten im eigenen Garten an einem geschützten Platz. Mehr zur Auswilderung von überwinterten Igelpfleglingen hier.

 

»Hilfe – mein Mecki ist wach!«

Wenn Igel zur Winterschlafzeit aktiv sind

Der Winterschlaf des Igels ist ein Phänomen, über das viele falsche Vorstellungen kursieren und das auch Igelpflegern gelegentlich Überraschungen beschert. Im Widerspruch zu der Assoziation, die das Wort »Winterschlaf« weckt, befinden sich Igel keineswegs von November/Dezember bis April/Mai durchgehend im Tiefschlaf. Ganz im Gegenteil: das Aufwachen gehört gewissermaßen zum Schlafen! Insofern trifft der Begriff der »Hibernation« (lateinisch hibernatio: Überwintern) schon eher zu (mehr zur Bedeutung des Winterschlafs hier).

Es ist ein ganz normaler und natürlicher Vorgang, wenn Igel nicht am Stück schlafen, sondern während des Winterschlafs hin und wieder aufwachen – im Durchschnitt 15 bis 22mal!

Warum das so ist, das ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt, aber es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erklärungsansätzen. Gesichert ist, dass diese natürlichen Aufwachphasen dazu dienen, Ausfallerscheinungen bei den inneren Organen vorzubeugen. Damit erklärt sich auch, dass freilebende Igel genau wie Igel in menschlicher Obhut nicht nur dann aufwachen, wenn die Temperaturen im Winter frühlingshafte Werte annehmen; sie wachen auch unabhängig vom Wetter mehr oder weniger oft auf.

Unterschiedlichen Quellen zufolge passiert das alle 7 bis 11 Tage bzw. alle zwei bis drei Wochen. Ich kann aus eigener Erfahrung diese Beobachtungen nur bestätigen: Meine Igel schlafen zwischen 7 und ca. 21 Tagen am Stück, ehe sie den Bierdeckel umwerfen, den ich zur Kontrolle vor den Ausgang ihres Schlafhauses lehne. Ob die Igel aber nicht noch öfter wach waren und einfach in ihrem Schlafhaus geblieben sind, weiß ich damit natürlich nicht. Denn manche bleiben in der Aufwachphasen in ihrem Nest, andere kommen heraus, entleeren ihre Blase und trinken etwas, einzelne suchen sich sogar ein neues Quartier.

In den natürlichen Aufwachphasen kommt ein Igel sehr viel langsamer in Gang; er verbraucht damit deutlich weniger Energie und steht nicht unter Stress wie etwa, wenn er durch Gartenarbeit zur Unzeit aufgestöbert und sein Nest zerstört wird. Ein hoher Energieverlust kann aber gefährliche Folgen haben, denn der Igel verliert im Winterschlaf bis zu 40 Prozent seines Körpergewichts – den größten Teil seines Fettpolsters zehrt das Aufwachen auf.

Was tun, wenn man jetzt einen wachen Igel beobachtet?

Freilebende Igel im Garten:

  • täglich frisches Wasser bereitstellen
  • Igeltrockenfutter als Reserve anbieten, wenn der Igel länger aktiv ist auch Katzen-Nassfutter

am besten in einem katzen- und rattensicheren Futterplatz in unmittelbarer Nähe des beobachteten Igels.

Bitte nicht sofort jeden Igel »einsammeln«, sondern das Tier erst einmal aus der Distanz beobachten! Aufnehmen nur, wenn der Igel klare Krankheitsanzeichen zeigt, auffallend ausgezehrt oder verletzt ist (mehr hier). Am besten vorher Rat bei einer Igelstation suchen!

Aufgenommene Überwinterungsgäste:

  • Igel in Ruhe lassen, vorerst nicht wiegen!
  • wenn verdreckt: Gehege säubern (Papier auf dem Boden austauschen)
  • Wasser und Trockenfutter erneuern

Ich mache es folgendermaßen: Wenn ein Igel mehr als zwei Nächte aktiv war, erhält er auch sein gewohntes Katzen-Nassfutter wieder – Trockenfutter und Wasser stehen ohnehin während des gesamten Winterschlaf in Reserve bereit! Frisst der Igel dieses Nassfutter und ist auch weiterhin aktiv, wiege ich das Tier auch wieder. Sobald er das Futter nicht mehr anrührt, unterlasse ich alle Störungen. Will der Igel trotz winterlichen Temperaturen nicht mehr einschlafen und ist gesund, erhält er nur noch Trockenfutter. In der Regel zieht er es dann vor, weiterzuschlafen.

Achtung: Ein Igel, der in der Winterschlafzeit trotz niedriger Temperaturen wach ist, nicht frisst und dennoch sehr aktiv ist, hat wahrscheinlich ein Problem mit Innenparasiten. Wenn möglich, Kot (kleinste Mengen genügen) sammeln und untersuchen lassen. Eventuell muss eine Behandlung erfolgen.

 

Jetzt bloß nicht draußen aufräumen!

Ein paar Infos für Gartenfreunde

Es ist Ende Februar und deutschlandweit ungewöhnlich mild. Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse wagen sich aus dem Boden, und damit juckt es so manchem Hobbygärtner schon in den Fingern ... Zugegeben, all diese vertrockneten Stängel von abgeblühten Pflanzen, diese verdorrten Stauden und Gräser, aufgeschichtete Laubhaufen, Reisig und anderes »Gestrüpp« wirken morbid und sind nicht gerade eine Aufgenweide. Garten im FebruarUnd so setzt leider mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen bei vielen Gartenbesitzern ein unwiderstehlicher Tatendrang ein: endlich Ordnung schaffen und den Garten »entrümpeln«!

Was sie dabei aber nicht bedenken, oder unterm Druck eines nachbarschaftlichen Ordnungswettstreits ignorieren: gerade diese für uns unansehnlichen Blütenstängel beherbergen im Winter kleine Insekten und Spinnen – was im übrigen natürlich auch die Insektenfresser unter den Vögel wissen. Ihre Artgenossen, die sich vor allem auch von Saaten ernähren, picken sich die Pflanzensamen heraus.

Unter aufgeschichtetem Laub, in Totholz- und Strauchschnitthaufen überwintern zahlreiche Insekten wie Käfer und Wildbienen, aber auch Igel. Und im Komposthaufen wimmelt es vor Leben. Wer hier jetzt, zur Unzeit, aufräumt, zerstört wichtige kleine Biotope und raubt ihren Bewohnern Deckung und Unterschlupf.

Was der Mensch als störende »Unordnung« wahrnimmt, ist Natur, wie sie Tiere im Winter brauchen: Rückzugs-, Lebensraum und Futterquelle für zahllose kleine und kleinste Lebewesen.

Wenn man sich schon am natürlichen Chaos im Garten stört: Noch ist es viel zu früh, um Reisig-, Gestrüpp- und Laubhaufen zu entsorgen; dadurch könnten Igel ihres Winterschlafnestes beraubt werden. Auch das Umsetzen von Komposthaufen ist riskant. Damit sollte man noch warten. Ein geeigneter Zeitpunkt dafür ist eigentlich nur im Juni, und auch dann sollte man vorsichtig vorgehen. Wer mit mit Forken und Mistgabeln hineinsticht, riskiert, Igel, Kröten und andere Kleintiere martialisch aufzuspießen, schwer zu verletzen oder gar zu töten. Es mag zwar unüblich sein und etwas Mühe machen, den Kompost einfach nur von Hand umzusetzen. Aber mit dicken Gummihandschuhen und ohne gefährliches Gerät richtet man garantiert keinen Schaden an!

Igel lieben Gärten, die naturnah und artenreich sind!

 

Prävention im Garten – auf einen Blick:

Hier lauern Gefahren:

  • Motorsensen, Balkenmäher, Rasenkantenschneider etc.

  • herabhängende Beerenschutznetze, Meisenknödelnetze

  • Schwimmbecken und Gartenteiche ohne Ausstiegshilfe

  • ungeschützte Kellerschächte, Gruben, hohe Treppen, Mauern

  • Plastikfolien, Becher mit Essensresten, Gelbe Säcke

  • Chemie im Garten (Schneckenkorn, Pflanzenschutzmittel etc.)

Igelfreundliche Elemente:

  • Ast-, Laubhaufen, Holzstapel, Steinhaufen, Komposthaufen:
    Unterschlupf, Tages- und Winterschlafplätze, Nahrungsquelle
  • einheimische Blumen, Büsche, Sträucher, Stauden, Hecken
    Nahrungsquelle (Insekten, Würmer etc.), Schutz und Deckung
  • verwilderte Ecken, wenn Zäune: nur mit Igel-Durchlässen
    Schutz, Deckung und Möglichkeit Revier zu erweitern
  • Wasserschalen, Teiche mit flacher Uferzone
    ... denn Durst ist schlimmer als Heimweh

 

Bitte nicht stören!

Wer zum ersten Mal einen Igel überwintert, der hat vermutlich eine ganze Reihe von Fragen:

  • Schläft der Igel von allein ein?
  • Wie lange dauert der Winterschlaf?
  • Welcher Platz ist fürs betreute Schlafen ideal?
  • Wann sollte der Igel ins Außengehege wechseln?
  • Kann man erkennen, dass ein Igel winterschlafreif ist?
  • Soll ich hin und wieder das Gewicht kontrollieren?
  • Muss dem Igel im Winterschlafgehege etwas zum Fressen und zum Trinken angeboten werden?
  • Ist es normal, wenn der Igel ab und zu aufwacht, sein warmes Nest verlässt und rauskommt?
  • Ab wann soll oder muss ich dem Igel wieder sein normales Nassfutter anbieten?
  • Verträgt ein junger Igel Kälte und Minusgrade?
  • Muss ich den Igel im Frühling wecken oder wacht er von allein auf?
  • Bitte nicht stören!

    ... hinter diesem Eingang schlummert meine alte Meike ...

    Wer noch nie einen Igel überwintert hat, dem stellen sich natürlich viele Fragen. Allgemeine Infos habe ich auf meiner Seite zum Winterschlaf zusammengestellt.

    Hier noch einmal ein paar Infos und Tipps für Igelfinder, die sich nicht ganz sicher sind, ob sie alles richtig machen bzw. ob das Verhalten ihres Igels »normal« ist.

    Vorweg: Mit den Igeln ist es fast wie mit den Menschen: Man kann nicht die eine allgemeingültige Aussage treffen, weder was den Appetit, noch was das Verhalten des Igels angeht. Das gilt besonders auch für den Winterschlaf.

    Generell lässt sich aber beobachten, dass junge Igel bei ihrem ersten Winterschlaf »noch üben«, das heißt, sie wachen vielleicht anfangs öfter noch einmal auf, als die älteren Artgenossen.

    Den Winter zu verschlafen, ist eine Überlebensstrategie. Die Natur sieht sie für Arten vor, die vor allem aus Mangel an Futter anders nicht überleben könnten.

    Der Winterschlaf stellt sich aber nicht unbedingt automatisch ein,
    nur weil die Temperaturen in den Keller gehen und das Nahrungsangebot zurückgeht.

    Ausgelöst wird der Winterschlaf beim frei lebenden Igel im Wesentlichen durch 4 Faktoren:

  • weniger Tageslicht,
  • sinkende Temperaturen,
  • Hormonlage
  • und immer geringeres Futterangebot
  • Der Igel in unserer Obhut erhält täglich sein Futter, er hat ein warmes Nest meist in einem temperierten Raum. Damit fallen schon mal wesentliche Kriterien weg, die einen Artgenossen in Freiheit zum Schlafen animieren. Aber nicht selten bleiben auch Igel, die genesen sind und ihr Winterschlafgewicht (Jung-Igel ca. 800 Gramm, Alt-Igel > 1000 Gramm) erreicht haben, weiter aktiv, wenn man sie ins betreute Wohnen nach draußen stellt. Der Kältereiz allein reicht offenkundig nicht allen aus, um in Winterschlaf zu fallen. Dadurch, dass ihr Ersatzfutter stets vrefügbar ist, haben sie es schwer, ihren Stoffwechsel umzustellen.

    Nulldiät statt Fettlebe: Gaukelt man dem Igel Nahrungsmangel vor und bietet nur noch Wasser und das weniger beliebte Trockenfutter an, fällt er meist nach wenigen Tagen in Winterschlaf.

    Zugegeben – ich selbst tue mich schwer, einem Igel die Nahrung zu entziehen. Aber was ist die Alternative, wenn der Igel gesund und kräftig ist? Er ist eingesperrt in einer viel zu engen Behausung – draußen haben besonders Igelmännchen große Reviere, die sie nachts durchstreifen. In seinem Gehege kann er sich zwangsläufig viel zu wenig bewegen und ausarbeiten. Der Igel als »Nasentier« findet nichts Interessantes zum Schnuppern und hat im Grunde nur eine Beschäftigung: Fressen, Fressen, Fressen. Damit wird er dick und dicker. Und das ist der Gesundheit nicht zuträglich. Nur leider werden Igel in Menschenhand häufig allzu lang gepäppelt, was man leicht an einem »lichten« Stachelkleid erkennen kann und daran, dass ihr weicher Fellsaum unter dem Stachelbalg hervorschaut.

    Mehr als 800 Gramm sollte ein Igel vom gleichen Jahr nicht auf die Waage bringen; Altigel dürfen gern 1200 bis 1400 Gramm wiegen. Wenn alles gut läuft, dann lässt der Igel sich einige Wochen nicht blicken. Aber dennoch sollte im Winterschlafquartier draußen für Notfälle auf jeden Fall immer frisches Wasser und Trockenfutter bereitstehen.

    Wann aber ist der richtige Zeitpunkt, den Igel in Morpheus' Arme zu entsenden? Ich wähle dazu – wenn das Tier gesund ist und genügend Fettreserven hat – einen Tag, an dem es trocken und um die Null Grad ist und bringe dann den Igel samt seinen gewohnten Kartons und einem gut gepolsterten neuen Schlafhaus in ein ausbruchssicheres Gehege auf der Terrasse.

    Ein guter Platz für die Überwinterung bietet Schutz vor der Witterung und ist, wenn möglich, überdacht. Die Schlafstelle sollte nicht nach Süden ausgerichtet sein, um zu vermeiden, dass die Sonne das Quartier tagsüber deutlich erwärmt. Und natürlich sollte das Gehege so gebaut sein, dass keine Ratten eindringen können. Ich decke meine Gehege auch von oben ab – wozu sich zum Beispiel eine alte Insektenschutz-Tür oder ein Rahmen mit Fliegengitter gut eignet. Warum? Ich möchte nicht, dass streunende Katzen meinen Igeln die Notreserve an Trockenfutter stibitzen.

    Das Außengehege sollte aber sicherheitshalber kein Freigehege sein, das zum Beispiel irgendwo auf der Wiese aufgebaut ist – um zu verhindern, dass sich der Igel vorm Schlafen (noch einmal?!) etwas einfängt, weil er vielleicht doch noch eine Schnecke oder einen Wurm findet und frisst. Ich lege auf die Steinplatten unserer Terrasse zurechtgeschnittene Isomatten (0,5 cm Stärke), darauf kommen dick Pappe und eine größere Schicht Zeitungspapier. Alternativ stelle ich auch die gewohnten Kartons ins pappgedämmte Gehege; das setzt aber voraus, dass dieses groß genug ist.

    Meike im Gehege

    Alt-Igelin Meike mit Winterschlafhaus in ihrem Gehege    
    Meike geht schlafen

    Nach meiner Beobachtung zeigen Igel ihre Bereitschaft für den Winterschlaf nicht selten auch durch eine Veränderung ihres Verhalten an: Sie fressen weniger, ohne krank zu sein, und nehmen ab – und/oder sie arbeiten sich nachts an ihrem Karton und den darin liegenden Zeitungen ab und stopfen teilweise emsig ihr Hütte mit Material aus. Vermutlich wollen sie entweder ein winterfestes Nest bauen oder aber auch ausbrechen, um sich einen besseren Platz zum Schlafen zu suchen. Beobachte ich solche Anzeichen, und sind auch die anderen Kriterien (z.B. Gewicht, Gesundheit etc.) erfüllt, ist es für mich der richtige Zeitpunkt, den Igel an seinen kalten Winterschlafort umzusetzen.

    Meinen Aufzeichnungen nach waren meine behandelten, aufgepäppelten Jung-Igel meist Mitte Januar winterschlafbereit und haben dann mit Unterbrechungen bis Ende April, Anfang Mai geschlafen. Das ist aber nicht repräsentativ und hängt auch vom jeweiligen Klima und dem Wetter/den Temperaturen ab.

    Lehnt man einen Bierdeckel vor den Eingang zum Winterschlafhaus, sieht man auf einen Blick, ob ein Igel aktiv war: so lange der Deckel noch lehnt, schläft der Igel friedlich im Inneren.

    BierdeckelWas tun, wenn ein Igel während des Winterschlafs aufwacht?

    Ihn in Ruhe lassen, vorausgesetzt, er ist kein Wackelkandidat und ist schon viel zu leicht in Winterschlaf gegangen.

    Es ist durchaus normal, dass Igel auch im Winter aufwachen. Aufwachphasen sind unabhängig vom Wetter und überlebensnotwendig: der Igel startet damit quasi sein System durch, damit seine inneren Organe nicht ausfallen.

    Sollte der Igel, vor allem gegen Ende der Winterschlafzeit, mehr als ein, zwei Nächte aktiv sein, stelle ich ihm wieder das gewohnte Nassfutter zur Stärkung hin. Spätestens aber, wenn der Winterschlaf vorüber ist – also der Igel jede Nacht aus seinem Schlafhaus kommt und der normale Stoffwechsel wieder in Gang gekommen ist –, braucht der Igel gutes eiweißreiches und fetthaltiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil (mindestens 60 Prozent), um seine verlorenen Reserven wieder aufzufüllen.

    Schlafen macht schlank...Durch den Winterschlaf verliert der Igel große Teile seines Gewichts; normal sind 20 bis 40 Prozent. Am Tag sind es ungefähr 0,2 bis 0,3 Prozent bzw. ein, zwei Gramm. Anfangs ist der Gewichtsverlust stärker. Wenn der Igel dann fest schläft, reguliert sich die Abnahme auf niedrigem Niveau. Hatte der Igel vorm Schlafen gute Reserven und war gesund, dann sollte man ihn nicht durch Gewichtskontrollen in seiner Winterruhe stören. Er hat sich ein perfektes Nest gebaut, und wenn nicht driftige Gründe dafür sprechen, sollte man ihn nicht (zur eigenen Beruhigung) ausgraben.

    In seinem Nest bzw. gut gepolsterten Schlafhaus übersteht ein gesunder und wohlgenährter Igel problemlos die üblichen Kältegrade. Holt man ihn heraus, riskiert man, dass der Igel dadurch erwacht und durch den kräftezehrenden Aufwachprozess viel Energie verliert. Viel gefährlicher als tiefe Temperaturen sind längere Phasen, in denen das Thermometer zur Unzeit auf mildere Werte klettert; dann können die Igel weder tief schlafen, noch sind sie richtig wach und fressen. Das zehrt an überlebenswichtigen Fettreserven. Ist es aber winterlich kalt, gleicht sich beim Winterschlafen die Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an und sinkt auf etwa 5 °C. Fällt das Thermometer auf 0 °C oder weniger, produziert der Körper wieder etwas Wärme, um dem Erfrieren entgegenzuwirken.

    Igel darf und muss man nicht wecken, wenn sich das Frühjahr ankündigt. Irgendwann wacht Mecki von allein wieder auf. Dieses Aufwachen ist ein großer Kraftakt, der stundenlang dauert. Und ist der vollbracht, heißt es spachteln, spachteln, spachteln ... Wichtig: Igel, die man überwintert hat, sollten vor dem Aussetzen mindestens so viel wiegen wie vorm Eintritt des Winterschlafes (mehr dazu hier).

    Maja mit Meike Meine Igel haben mir ein großes Geschenk gemacht: Zeit! Jetzt, Ende Januar, sind alle bis auf einen im Winterschlaf und ich habe endlich wieder 3, 4 Stunden täglich mehr für all das, was in der Igel-Hochsaison liegen geblieben ist. Dieses Foto von Monika Fricke (»Osterholzer Kreisblatt«) zeigt mich mit Meike, die ja durch ihren Hautpilz zahllose Stacheln verloren hatte. Es ist das letzte Foto, bevor Meike sich in den Winterschlaf verabschiedet hat. Und die Igelin hat mir eine riesige Freude bereitet: Als ich sie ein letztes Mal in den Händen hielt und in ihr Winterschlafhaus einlaufen ließ, entdeckte ich, dass sich überall an den kahlen Stellen winzige Stachelspitzen durch die Haut drängen. Endlich!!! Nach dem Winterschlaf wird Pilzfee wieder ein schönes Stachelkleid wachsen, ganz sicher!

     

    Chrrrr - chrrr - chrr - chrr ...

    ... Winterschlafzeit!!!

    Für all jene, die Igel aufgepäppelt haben, kommt jetzt so langsam Entlastung. Jeder Igel sollte die Gelegenheit zum Winterschlaf haben, nicht nur die Freilebenden in unseren Parks und Gärten, sondern selbstverständlich auch Igel, die in menschlicher Obhut leben, weil sie erst genesen oder genügend Speck ansetzen mussten und dann nicht mehr ausgewildert werden konnten.

    Der Jahreswechsel liegt hinter uns, es ist zum ersten Mal richtig knackig kalt, und das ist die beste Gelegenheit, unsere Meckis ins Traumland zu schicken. Igel sind Wildtiere – keine Angst, auch bei frostigen Temperaturen sind sie nicht in Gefahr, vorausgesetzt sie haben sich genügend Fettreserven angefuttert, sind gesund und haben eine richtig kuschelig warme Schlafgelegenheit. Selbst wenn der Befall von Innenparasiten noch nicht ganz auf Null ist: Winterschlaf ist wichtig, und da der Stoffwechsel währenddessen nahezu zum Erliegen kommt und die Körpertemperatur stark absinkt, kann man eine Behandlung bei geringem Befall auch auf die Zeit nach dem großen Schlafen verschieben. In der Natur gibt es garantiert nicht einen einzigen Igel, der völlig frei von Innenparasiten seinen Winterschlaf antritt.

    Was der Winterschlaf für die Igel bedeutet und wie man seinen stacheligen Wintergast gut durch die kalte Jahreszeit bringt, das ist hier ausführlich beschrieben.


    Meine Igel haben mich seit dem letzten Eintrag auf dieser Seite Ende November mehr als auf Trab gehalten. Zu meinen zwölf Jung-Igeln gesellte sich am 5. Dezember 2016 noch meine gute alte Igelin Meike hinzu. Sie stand abends bis -2 Grad an der Vogeltränke auf unserer Terrasse, um zu trinken, und sie sah aus wie ein trauriger kleiner Stachelball, dem man die Luft abgelassen hat. Ich nahm Meike mit 568 Gramm auf. Dieses Gewicht ist für einen Alt-Igel vorm Winterschlaf viel zu niedrig; er oder sie sollte schon 1000 Gramm auf die Waage bringen. Meike war geradezu bevölkert von Zecken aller Größen; selbst in den Ohren saß Nymphe an Nymphe und Zecke an Zecke. Sie war stark von Darm- und Lungenhaarwürmern befallen. Außerdem hatte sie wie so viele andere Igel dieser Saison den Hautpilz Trichophyton. Später stellte ich noch Kokzidien fest und eine eitrige Augenentzündung, und als sie endlich Anfang Januar mit mehr als 900 Gramm winterschlafbereit war, ging es wieder bergab. Erneut musste ich jetzt anfangen, sie gegen Darmhaarwürmer zu behandeln.

    Meike habe ich als verwaistes Igelkind 2013 aufgezogen und seither regelmäßig zur Behandlung aufgenommen, meist wegen Pilzbefalls. Ich erkenne sie an einer kleinen narbigen Stelle auf ihrer Nase und daran, dass sie aus Protest, Angst – und bei Begeisterung – faucht wie ein gaaaanz gefährliches Raubtier. Erhält sie ihre Medizin von mir mit Drohnenmilch (mehr Infos dazu als pdf-Datei zum Herunterladen im Infoblatt Drohnen), schlürft sie diese gierig bis zum letzten Tropfen auf und faucht dabei lauthals.

    Pilzfee... Pilzfee

    Pilzfee pennt

    Madame pennt entspannt

    ... hat zwar ordentlich an Gewicht zugelegt, aber durch den Hautpilz große Teile ihrer Stacheln verloren. An den kahlen Stellen sieht die Haut zwar nach den Bädern gegen die Pilzerkrankung intakt und gesund aus, aber Stacheln zeigen sich noch nicht. Die kahlen Partien öle ich regelmäßig mit Kokosöl ein, das auch für Igel nicht unangenehm riecht, die Haut pflegt und leicht fungizid (= gegen Pilzbefall) wirkt.

     

    Primadonna...

    ... sieht leider noch schlimmer aus als Pilzfee, und das fällt dank ihres gesegneten Appetits auch noch mehr auf. Sie ist 100 Gramm schwerer als Pilzfee und liebt nach wie vor Rührei.

    Bei ihrer Aufnahme Mitte November war ihr Gesicht ja mit einer dicken Kruste durch Milbenbefall bedeckt. Ich habe sie dagegen erfolgreich behandelt, aber an der Stirn will bis jetzt kein Fell und kein Stachel nachwachsen. Offenbar hatte sie noch stärkeren als den sichtbaren Milbenbefall – oder aber auch Trichophyton –, jedenfalls hat sie wie Pilzfee riesige kahle Stellen auf dem Rücken und am Ringmuskel, dazu ist ihr Stachelkleid äußerst dünn. Eine erfahrene befreundete Igelexpertin tröstete mich; man müsse bei Stachelverlust viel Geduld haben. Ihrer Erfahrung nach wachsen die Stacheln erst nach dem Winterschlaf nach.

    Primadonna

    ... wehrlos, aber wohlgenährt!

    Paulinchen und Paul konnte ich vor Weihnachten zum betreuten Überwintern in einem Freigehege in die sehr guten Hände meiner Igelfreundin Sigrid abgeben. Sie schlafen seit Weihnachten süß und selig.

    Ebenfalls in gute Hände konnte ich EinPunkt, ZweiPunkt und Pünktchen abgeben. Sie überwintern gut bewacht in der kalten Werkstatt eines Ehepaars, das in dieser Saison zum ersten Mal Igel aufgenommen und diese gleich in ihr Herz geschlossen hat. Guido und Inna haben sich sehr informiert und mir Löcher in den Bauch gefragt, um ihre Igel gut zu versorgen; dass sie nun drei meiner Igel über den Winter bringen, ist für mich ein sehr schönes Geschenk, denn ich weiß: Die drei Stachler sind da gut aufgehoben!

    Den stets verfressenen und leicht übergewichtigen DreiPunkt habe ich in ein ungeheiztes Stein-Gartenhaus verfrachtet; trotz tiefer Temperaturen musste ich ihn tatsächlich auf Nulldiät setzen, um ihn zum Schlafen zu überreden. Es tat mir in der Seele weh, aber ausbleibendes Nahrungsangebot ist ein Signal für Igel, dass es nun an der Zeit ist zu schlafen.

    Mit im Steinhaus (in separaten Kartons) sind Peppi und Püppi. Nach drei Tagen Kälte wollen sie noch nicht schlafen. Da sie schwer genug für den Winterschlaf sind, muss ich ihnen eventuell auch demnächst Nahrungsknappheit vorgaukeln.

    Bleibt noch Postillon – er bewohnt den kühlen Hauswirtschaftsraum, um dann, wenn alles gut geht, demnächst auch noch im Steinhaus einzuziehen. Da auch Postillon größere, aber nicht so dramatische kahle Stellen im Stachelkleid hat, habe ich ihn noch unter Beobachtung.

    Schön wäre es, wenn das Wetter mal winterlich bliebe, damit meine sieben Igel und ich in unsere wohlverdiente Winterruhe gehen könnten!

    Freigänger
    und aufgepäppelte Pfleglinge

    Der November neigt sich dem Ende zu, eigentlich müssten ja die Igel so langsam im Winterschlaf sein. Das ist auch richtig. Zunächst tauchen die Männchen ab, dann die Weibchen, am Ende die Jungtiere. Dennoch kann es passieren, dass man irgendwann noch einen kleinen Igel herumstromern sieht und man ist unsicher:

    Braucht das Tier Hilfe?

    Ist der Igel tagsüber unterwegs, lautet die Antwort ja! Vielleicht ist der Igel nur völlig ausgehungert, möglicherweise ist er aber auch krank.Wie auch immer: Fitte Igel sind tagsüber nicht unterwegs.

    Beobachtet man – auch nachts – so ein Jungtier, ist ein weiteres Kriterium der Ernährungszustand.
    Eine grobe (!) Regel lautet:

    Zu leicht sind junge Igel, wiegen sie

    • im Oktober unter 200 Gramm
    • im November unter 300 Gramm
    • im Dezember unter 400 Gramm

    Aber:

    Das Gewicht ist nicht allein entscheidend, sondern der Gesamtzustand, und den kann man auch an der Form des Igels ablesen:

         birnen- oder tropfenförmig
        walzen- oder rollenförmig

    550 Gramm sind beim Jungigel das Mindestgewicht für einen gefahrlosen Winterschlaf!
    Alt-Igel sollten am besten etwa 1000 Gramm wiegen.

    Wenn man in diesen Novembertagen einen Igel aufnimmt, hat er in aller Regel Innenparasiten, die sich nach schnell und stark vermehren. Das trägt dazu bei, dass der scheinbar gesunde, aber zu magere Igel bald deutliche Krankheitssymptome zeigt:

    • Durchfall, schmieriger, stinkender Kot, grünliche und blutige Anteile im Kot
    • nachlassender Appetit bis hin zur Futterverweigerung
    • Apathie oder große Unruhe, Verschlechterung des Allgemeinbefindens
    • Gewichtsabnahme, Abmagerung

    Dass sich der Zustand des Pfleglings verschlechtert, dafür gibt es vor allem zwei Gründe: das Immunsystem wird geschwächt, weil die Aufnahme des Igels und seine neuen Lebensbedingungen für ihn Stress bedeuten. Und die – notwendigen! – höheren Temperaturen, denn:

    Ein hilfsbedürftiger Igel gehört nicht in eine unbeheizte Garage oder auf einen kalten Balkon.
    Er sollte in einem ruhigen temperierten Raum mit Tageslicht untergebracht werden.

    Die Zahl meiner Igelpfleglinge hat sich in den vergangenen acht Wochen sukzessive auf acht Stück erhöht. Ein weiteres Igelchen war in einem so katastrophalen Zustand, dass alle meine Bemühungen nichts mit nützten; es starb.

    Paul und Paulinchen bei ihrer Aufnahme Anfang Oktober und gesund und propper Ende November

    Paul und Paulinchen haben aller Wahrscheinlichkeit ihren Hautpilz überstanden; irgendwann halfen die regelmäßigen Bäder. Die beiden haben sich vom Gewicht her prächtig entwickelt, wie man hier sieht. Das Fell am Bauch ist nachgewachsen, aber nachdem sehr viele Stacheln ausgefallen sind, ist das Stachelkleid noch nicht wieder dicht genug.

    Püppi hat der Pilz sehr heftig erwischt, aber sie hat gut an Gewicht zugelegt. Leider weist ihr Stachelkleid viele kahle Stellen auf. Dieser Hautpilz namens Trichophyton zählt zu den Zoonosen, das bedeutet, man kann sich als Mensch damit anstecken. Daher sollte man befallene Igel grundsätzlich nur mit stachelfesten Handschuhen anfassen und peinlichst auf Hygiene achten. Das Schlafhaus und der »Wohnraum« des Igels müssen tagtäglich desinfiziert werden. Alles Papier, was sich darin befindet, muss täglich erneuert werden, die Näpfe sollten beim Reinigen auch mit heißem oder sogar kochendem Wasser behandelt werden. Sporen des Pilzes sind sehr langlebig, daher empfiehlt es sich, regelmäßig staubzusaugen und möglichst keinen anderen Igel in der Nähe des betroffenen Igels zu halten. Igel, die von Trichophyton befallen sind, haben oft einzelne weiße Stacheln. Anfangs wirkt ihre Haut trocken, spilzpäter schuppig. Charakteristisch sind weißliche Beläge zwischen den Stacheln, dazu verliert das Tiere auffallend viele Stacheln – das können locker 50 Stacheln und mehr am Tag sein. Im schlimmsten Fall büßt ein befallener Igel sein ganzes Stachelkleid ein. Gleichzeitig aber ist mir bei allen Igeln mit diesem Hautpilz, die ich je aufgenommen habe, ein exzellenter Appetit aufgefallen. Eine Erklärung dafür scheint mir, dass diese Igel sich nicht wirklich krank fühlen und sich, einmal abgesehen von ihren Hautproblemen, gut entwickeln. Damit sie aber eines Tages wieder ausgewildert werden können, müssen sie therapiert werden, denn ein Igel ohne Stacheln ist wehrlos allen Angriffen seiner Feinde ausgesetzt. Gerade in diesem Jahr 2016, beobachte ich hier bei uns im Nordenbesonders viele Igel mit Trichophyton – vermutlich durch die lang anhaltenden feuchten und regnerischen Phasen. Kein Wunder, Pilze lieben Feuchtigkeit! Übertragen wird der Pilz übrigens von Milben.

    Neben vier Geschwistern Pünktchen, EinPunkt, ZweiPunkt und DreiPunkt – alles Buben, die inzwischen um die 500 Gramm wiegen –, pflege ich noch die erst Mitte November aufgenommene kleine Igeldame Primadonna, 331 Gramm leicht.

    Sie schnupperte auf unserer Terrasse am heruntergefallenen Vogelfutter und hatte das ganze Gesichtchen voller Milbenverkrustungen. Außerdem fand ich bei einer koproskopischen Untersuchung große Mengen an Eiern von Darmhaarwürmern und dazu noch Lungenwurmlarven. Ihr Leben schien auf der Kippe, und sie nahm die ersten Tage während der Behandlung der Darmhaarwürmer bis auf 291 Gramm ab. Nach Abschluss der Behandlung und dank eines Antibiotikums hat sie inzwischen auf 360 Gramm zugenommen, und das Gesicht pellt sich. Es wird ein wenig dauern, aber ich bin zuversichtlich, dass irgendwann auch an den Wangen und der Stirn wieder Härchen sprießen. Übrigens: Primadonna ist ein absoluter Rührei-Fan; es war das erste, was sie bei mir von sich aus zu sich nahm, und nach wie vor frisst sie erst mal die Rührei-Stückchen aus dem Futter, ehe sie an den Rest geht.

    Nachtrag am 30.11.: Inzwischen habe ich nicht weniger als 12 Igel zwischen 250 und 945 Gramm! Vor genau einer Woche »stolperte« ich nachmittags über Pilz-Fee – ein Igelchen mit starkem Hauptpilzbefall und schon kahlen Partien im Stachelkleid. Abends fiel mit der magere Postillon auf und am nächsten Mittag entdeckte ich auf unserer Terrasse Peppi. Alle drei hatten bei der Aufnahme um die bzw. unter 250 Gramm, Darmsaug-, Darmhaar- und Lungenwürmer. Sie entwickeln sich sehr unterschiedlich; Sorgenkind war Peppi, der aber nun langsam aufholt, nachdem er die Behandlung gegen seine Innenparasiten überstanden und ein Antibiotikum bekommen hat. Dazu habe ich außerdem noch einen »teilstationären« Igel, Pauli, den eine Nachbarin gefunden und zu mir gebracht hat. Pauli habe ich für die Behandung hier aufgenommen; er ist in einem sehr reduzierten Zustand, hält mit Müh und Not seine 250 Gramm, aber ist sehr lebendig. Auch er braucht neben der Parasitenbehandlung ein Antibiotikum, denn er hat u.a. blutigen Husten.

    Igel in menschlicher Obhut

    Wenn man jetzt im Herbst verwaiste Igel oder Igel aufnimmt, die krank, schwach oder verletzt sind, möchte man helfen. Man weiß nicht – oder denkt vielleicht nicht darüber nach –, was das bedeuten kann ... Unter Umständen wird man die nächsten sieben, acht Monate einen Pflegling haben, der erst einmal gesundgepflegt und aufgefüttert werden muss, für den man täglich Putzdienst leistet und für gehaltvolle Verköstigung sorgt, und zwar so lange, bis er gnädigerweise irgendwann in Winterschlaf geht – bei jungen Igeln kann sich das bis in den Januar hinein ziehen. Man braucht ruhige, warme Innenräume für die Pflege und später einen kalten ausbruchssicheren Außenbereich für die Schlafphase. Igel können einen ganz schön beschäftigen ...

    Viele Igel kann man nicht mehr auswildern, denn je später das Jahr, desto spartanischer ist der Tisch für die stacheligen Insektenfresser gedeckt. Außerdem brauchen sie in freier Natur einen Platz, an dem sie sich gut geschützt über den Winter zurückziehen und warm »einmümmeln« können – mit trockenem Laub zum Beispiel. Besonders Jung-Igel, die man sehr klein aufgenommen hat, brauchen daher zwingend eine betreute Auswilderungsphase: um ihr Immunsystem zu trainieren, um die eigenständige Futtersuche zu erlernen und um sich dann in der Natur auch allein zurechtzufinden. Man kann sie also nicht einfach vor die Tür setzen, wenn sie ihr Winterschlafgewicht von mindestens 550 Gramm erreicht haben. Die Kleinen, die jetzt aufgenommen werden, müssen erst noch ordentlich spachteln, und haben sie dann das richtige Gewicht haben, ist es zu spät zum Auswildern. Als Überwinterungsgäste müssen sie die Möglichkeit haben, trotz Gefangenschaft in Winterschlaf zu gehen, wenn denn die Bedingungen stimmen, also Allgemeinzustand, Gewicht und Hormonlage, (niedrige) Außentemperatur und (nachlassendes) Futterabgebot.

    Paul und Paulinchen haben sich bis jetzt, Mitte Oktober, vom Gewicht her gut entwickelt. Paulinchen ist ein kleiner Nimmersatt und bringt bald 300 Gramm auf die Waage, Paul hat bald 230 Gramm und ist der eher schlanke, quirrlige Typ. Aber... beide kratzen sich viel zu häufig, die Stacheln beginnen auszufallen, es entwickeln sich kurzem schrundige wunde Stellen am Bauch. Schon bei der ersten Kotuntersuchung habe ich eine Nagemilbe unterm Mikroskop entdeckt und beiden – weil sie als Geschwister zusammen leben – etwas Mildes dagegen aufgesprüht. Aber da war es offenbar schon zu spät. Milben übertragen Pilzkrankheiten, und es gibt kaum einen Zweifel, dass die beiden genau dieses Problem haben. Für die Igel bedeutet das: langwierige Behandlung mit verhassten Bädern, im schlimmsten Fall nach drastischem Stachelausfall fast kahl. Für mich heißt das: absolute Hygiene und mich selbst immer gut mit Handschuhen und Desinfektion schützen, denn Pilze wie der Trichophyton gehören zu den auf Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen).

    Die beiden werden mindestens bis zum Frühjahr meine Gäste bleiben und mir sehr viel Arbeit machen, denn ihre Behausung muss täglich von grundauf gesäubert und desinfiziert werden. Ich werde sie medizinisch so gut versorgen, wie es irgend geht und hoffe, sie werden nicht alle Stacheln verlieren – aber genau das kann leider passieren. Bis dann so ein Stachelkleid nach der Genesung wieder dicht ist, vergehen viele Wochen.

    Und noch eine Hoffnung habe ich: dass meine Neuaufnahme Püppi von einer Ansteckung verschont bleibt. Wegen der Pilzerkrankung der beiden anderen muss das Mädchen, das ich mit 119 Gramm am 9.10. aufgenommen habe und das inzwischen 174 Gramm wiegt, leider ohne Kontakt zu anderen Igelkindern aufwachsen.

    Willkommen!

    Just am 1. Oktober kreuzte in unserem Garten Paul, 89 Gramm, unseren Weg – ein süßer kleiner Igel-Junge, dem genau 24 Stunden später Paulinchen folgte, ein Igel-Mädchen von 100 Gramm, das gewiss seine Schwester ist. Beide waren tagsüber, genauer gesagt gegen 15 Uhr nachmittags unterwegs. Igel dieser Größe verlassen keinesfalls tagsüber und allein ihr Nest. Die Erklärung dafür, dass wir sie fanden und auch aufnahmen, ist keine schöne: entweder ist die Mutter von Paul und Paulinchen krank, schwach oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, die beiden Kleinen zu versorgen. Oder – was leider wahrscheinlicher ist – sie lebt nicht mehr.

    Überall, wo Gartenbesitzer jetzt mal so richtig aufräumen, wo Motorsensen und ähnliche Garten-Gerätschaften zum Einsatz kommen, wo Autos fahren, wo Laubhaufen entfernt und aufgestapelter Baumschnitt entsorgt wird, werden Igelkinder nun zu Waisen.

    Kehrt die Mutter nicht mehr zurück und bemerkt das kein tierliebender Mensch, sind diese stacheligen Kleinen sichere Todeskandidaten. In unserer unmittelbaren Nähe ist zusätzlich in der letzten Septemberwoche ein über Jahre gewachsenes kleines Biotop zerstört worden, eine ca. 200 Meter lange mit etwa 300 alten Weißdornbüschen, einzelnen Ahornbäumen, Brombeersträuchern, Flieder und Wildpflanzen bewachsener Bahndamm. Dort errichtet die Bahn Lärmschutzwände, und so wurde einfach alles abgesägt und weggemäht, was »im Wege war«. Möglich, dass dabei auch die Mutter von Paul und Paulinchen umgekommen oder deren Nest zerstört worden ist.

    Wer jetzt einen kleinen Igel tagsüber herumirren sieht, sollte das nicht nur beobachten und »niedlich!« finden – diese Tiere sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Wer ein solches kleines Igelchen findet, sollte es aufnehmen, wärmen (lauwarme Wärmeflasche) und ihm erst einmal tröpfchenweise mit einer Pipette oder einer Spritze ohne Nadel lauwarmen Fencheltee einzugeben versuchen. Mit fachkundiger Anleitung kann man ein solches Kleines aufpäppeln – das aber erfordert viel Engagement, denn zunächst muss man dem Kleinen die Mutter zu ersetzen versuchen und ihn per Pipette ernähren, u.a. mit spezieller Ersatzmilch. Wer sich das nicht zutraut oder keine Zeit/Möglichkeit hat, sollte das Igelkind unverzüglich in sachkundige Hände geben, am besten in eine erfahrene Igel(aufzucht)station.

    Wie Sie bei Igelkindern Erste Hilfe leisten, lesen Sie hier; diese Infos können hier heruntergeladen werden.

     

    Mittsommer

    Während in südlichen Gefilden in den Igelstationen schon viele Igeljunge abgegeben werden, die ihre Mutter verloren haben oder aus anderen Gründen hilfsbedürftig sind, geht es jetzt – Ende August – bei den Igeln hier in Deutschlands »hohem Norden« noch immer rund. Die Männchen umkreisen die schnaubenden Weibchen. Dieses Ritual, das der Paarung vorausgeht, das »Igel-Karussell«, dauert oft viele Tage. Die stacheligen Kavaliere scheinen unermüdlich und wildentschlossen, bis sich die Damen endlich erweichen lassen. So ganz allmählich sollte da aber mal etwas in Fahrt kommen, denn ab dem Zeitpunkt der Paarung bis zur Selbständigkeit der Jungigel vergehen in etwa zweieinhalb Monate. Und dann müssen die Kleinen erst noch ordentlich spachteln, um auf die 550/600 Gramm zu kommen, mit denen sie gefahrlos in den Winterschlaf gehen können. Es wird also Zeit!

    Das Geburtsgewicht von Igelchen liegt bei 12 bis 25 Gramm; sie kommen nach einer Tragezeit von 35 Tagen mit geschlossenen Augen und Ohren zur Welt. Nach zwei Wochen erst öffnen sich die Äuglein, nach drei Wochen kommen die Zähnchen durch. Wenn die Kleinen ungefähr dreieinhalb Wochen alt sind – sie wiegen dann im Normalfall zwischen 100 und 140 Gramm – verlassen sie zum ersten Mal ihr Nest und beginnen, die Umgebung zu erkunden. Wirklich selbständig sind sie aber erst nach etwa sechs Wochen. Von der Mutter gesäugt werden die Jungen bis zu einem Gewicht von ca. 230 Gramm. Verwaiste Jung-Igel, die bei einem sonst guten Ernährungszustand weniger wiegen, benötigen also, wenn sie gefunden und aufgenommen werden, einen Ersatz für die Muttermilch. Es gibt spezielle, für Igel geeignete Ersatzprodukte (Welpenmilch), mehr dazu finden Sie hier. Die Igelbabys dürfen keinesfalls mit Kuhmilch und ähnlichem ernährt werden!

    Verwaiste und hilfsbedürftige Igel-Babys gehören unbedingt in die Hände erfahrener Menschen – und die findet man in der Regel fast nur in Igelauffangstationen!

     Auf der Internet-Seite von Pro Igel e.V. findet man Links zu regionalen Igelschutzvereinen

    Achtzig Prozent der Igelchen kommen im August/September zur Welt. Wenn Sie ein hilfsbedürftiges Igeljunges finden, ist es wichtig, richtig, bedacht und rasch zu handeln – mehr dazu auf der Unterseite »Igelkinder in Not – wie helfen? Diese Infos sind auch auf einem Handzettel zum Download zusammengefasst.

     

    Frühlingserwachen

    Wenn die Temperaturen ansteigen und die Nächte nicht mehr frostig sind, erwachen auch die Igel, die betreut in Winterschlaf gegangen sind, langsam wieder.

    Diese Igel haben ungefähr ein Drittel ihres Körpergewichts verloren; der Stachelbalg schlottert ihnen um den mageren Körper. Deshalb müssen sie unbedingt vor dem Aussetzen in die Natur wieder auf das Gewicht aufgefüttert werden, das sie vor ihrem Winterschlaf hatten.

    Entlassen werden diese Igel aber auch mit dem »richtigen« Gewicht erst, wenn die Temepraturen nachts nicht mehr unter 8 °C sinken – auch wenn draußen vereinzelt schon Igel zu sehen sein sollten. Es müssen genügend Unterschlüpfe und vor allem genug Nahrung vorhanden sein.

    Igel, die jetzt aufwachen, sind viel zu früh dran und finden natürlich keinen gedeckten Tisch vor. Deshalb sollte man auch keinesfalls Igel, die man überwintert hat, jetzt schon auswildern - sie haben kein Schlafnest, finden nichts zu fressen und drohen zu verhungern. Selbst wenn die Temperaturen tagsüber frühlingshaft sind, mangelt es an Käfern, Ohrwürmern, Schmetterlingslarven, Tausendfüßlern und anderen Insekten.

    Lesen Sie bitte weiter, welche Voraussetzungen für die Auswilderung im Frühjahr erfüllt sein müssen!


    Tipps für Gartenbesitzer

    Wer Igel in seinem Garten vermutet, kann jetzt schon eine kleine Futterstelle mit etwas Igel-Trockenfutter und frischem Wasser einrichten, um dem abgemagerten Stachelritter rasch auf die Beine zu helfen: am besten eine umgedrehte Kiste mit an Haken und Ösen eingehängter Schwingtür, die Katzen und Ratten fernhält.

    Gartenbesitzer sollten möglichst nicht bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen Reisig-, Gestrüpp- und Laubhaufen entsorgen. Hier richten sich Igel bevorzugt ihr (Winter)Schlafnest ein; auch Zaunkönig, Kröten und andere Amphibien suchen Schutz im schattigen feuchten Unterholz solcher Haufen. Die beste Zeit, einen Komposthaufen umzusetzen, ist der Juni. Verzichtet man dabei auf Forken und Mistgabeln, schont man Igel, Kröten und andere Kleintiere, die gern in Komposthäufen Unterschlupf suchen.

    Solchen bodennah lebenden Kleintieren drohen ohnehin in unseren Gärten viele Gefahren, angefangen bei Rasentrimmern und Fadenmähern bis hin zu »Pflanzenschutzmitteln«, die Schädlinge oder Unkraut den Garaus machen sollen. Sie können Insekten wie Bienen schädigen und vernichten Nahrungstiere von Igel, Rotkehlchen und anderen Kleintieren. Außerdem sind vergiftete Insekten eine leichte Beute – das Tier, das sie sich schnappt, belastet so den eigenen Organismus und vergiftet womöglich die Brut damit.

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