Trichophyton – Ansteckungsgefahr für Menschen

Erscheinungsbild und SymptomeVorkehrungenFallbeispiel

Trichophyton (griech.: »Haarpflanze«) gehört zu den Fadenpilzen. Diese verursachen Pilzinfektionen der Haut beim Menschen und bei Wirbeltieren, wobei oberflächliche Hautschichten erkranken.

Fadenpilze wie die verschiedenen Trichophytonarten, Mikrosporum und Epidermophyten ernähren sich von Keratin, also Faserprotein, einem Hauptbestandteil von Haaren, Nägeln, Stacheln, Krallen etc.

Trichophyton auf menschlicher Haut

typische Pöckchen und Rötung im Anfangsstadium (vergrößert!)

Hautpilzerkrankungen des Igels wie Trichophytien zählen zu den Zoonosen, das sind Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Mensch übertragen werden können. Das bedeutet:

Wer einen Igel mit Hautpilz pflegt, kann sich anstecken!


Trichophytie am Igelkopf
(zum Vergößern bitte anklicken!)

Trotz strenger Hygiene ist es möglich, sich mit dem Hautpilz des Igel zu infizieren; eine kleine Unachtsamkeit kann unter bestimmten Umständen schon ausreichen. Stachelsichere Gummihandschuhe beim Kontakt mit dem Igel und den täglichen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten sind ein absolutes Muss! In dem Raum, in dem der Igel gehalten wird, genügt gründliches Staubsaugen allein keinesfalls. Es reduziert aber die Zahl der Sporen. Insofern ist es – neben der notwendigen Flächendesinfektion – sinnvoll als vorbereitende und begleitende Maßnahme. Bitte nie desinfizieren, wenn der Igel im Raum ist, und nach der Anwendung von Desinfektionsmittel gut lüften! Staubsaugerbeutel sollten häufig gewechselt und dicht verschlossen entsorgt werden.

Wer regelmäßig viele Igel betreut, kann auch mit Tieren zu tun haben, deren Hautpilzerkrankung noch nicht offensichtlich ist. Generell können Tiere auch (noch oder nur!) symptomlose Träger der Infektion sein! Herd der Scherpilzflechte Deshalb sollte man vorsichtshalber beim Umgang mit Igeln zum eigenen Schutz grundsätzlich Handschuhe tragen. Besonders groß ist die Gefahr, sich zu infizieren, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen: eine ausreichende, das heißt größere Zahl von Keimen bzw. Pilzsporen (hoher Infektionsdruck!), eine ausreichend lange Einwirkzeit und ein geschwächtes Immunsystem.

Fadenpilzinfektionen, die durch die Trichophyton-Pilze ausgelöst werden, führen beim Menschen häufig zur Scherpilzflechte (»Trichophytie«). Ganz charakteristisch sind ringförmig runde rote Herde mit Rändern, die durch kleine Knötchen oder »Pöckchen« erhöht sind.

Je nach Stadium der Erkrankung schuppen sich die Herde. Diese Herde breiten sich nach und nach vom Zentrum ausgehend in Kreisen aus, werden also sukzessive größer. Dabei jucken die befallenen Partien zeitweise, es kann aber auch ein Brennen oder leichtes Ziehen auftreten. Unter dem langwelligem UV A-Licht einer Wood- oder Schwarzlicht-Lampe sind die Krankheitsherde durch ihre typische Fluoreszenz deutlich erkennbar. Um aber eine sichere Diagnose stellen zu können, wird der Dermatologe einen mikroskopischen Erregernachweis führen und zusätzlich aus Probenmaterial eine Pilzkultur anzüchten, die dann ebenfalls mikroskopisch untersucht wird. Somit kann einige Zeit vergehen, bis die Diagnose gestellt werden kann, man rechnet dafür etwa drei Wochen!

Trichophytie ist ansteckend!
Deshalb ist es wichtig, die Ausbreitung des Hautpilzes schnellstens zu stoppen (rechtzeitige Behandlung!) und dafür zu sorgen, dass man sich und andere gezielt schützt. Bitte beachten:

  • Hautkontakt mit infizierter Person vermeiden
  • keine Gegenstände wie Kämme, Bürsten u.ä. gemeinsam benützen
  • Hygiene und Desinfektion – Kontaminationen beseitigen, d.h. beispielsweise
    • Flächen, die sporenbelastet sein könnten, mit einem fungiziden Mittel desinfizieren
    • Unterbekleidung, Waschlappen, Handtücher mindestens 60 Grad warm waschen
    • ggf. Schuhe mit speziellen Sprays behandeln, die gegen Trichophyton wirken
    • feine Gewebe, die mit Sporen in Kontakt gekommen sein könnten, mit einem Hygienespüler behandeln, der gegen Trichophyton wirksam ist
  • nach Abklingen der Symptome sollte die Behandlung der befallenen Stellen unbedingt noch eine zeitlang fortgesetzt werden, damit der Pilz nicht wieder aufflammt
  • Pilzsporen sind sehr langlebig, stabil und resistent gegenüber Austrocknung – ohne diese Vorkehrungen besteht die Gefahr, sich zu reinfizieren!

Die Behandlung einer Hautpilzerkrankung wie Trichophyton mentagrophytes ist eine sehr langwierige Angelegenheit, sie kann viele Wochen und Monate dauern. Werden nach sichtbarem Abheilen der Hautveränderungen die therapeutischen Maßnahmen zu früh eingestellt, droht ein Rückfall. Über eine erneute Pilzkultur lässt sich der Therapieerfolg, also die komplette Ausheilung, zuverlässig überprüfen.

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Das folgende Fallbeispiel dokumentiert und illustriert den Verlauf der Hautpilzerkrankung, die man sich über an Trichophytie erkrankte Igelpfleglinge einhandeln kann – hier erfolgte die Ansteckung vermutlich durch den kontaminierten oberen Rand eines Igelkartons.

Das erste Symptom war heftiger Juckreiz. Bald darauf entstanden kleine eitrige »Pusteln«, die kreisförmig angeordnet waren (großes Foto oben links). Diese »Pöckchen« sahen aus wie winzige gelbliche Eier. Die umgebende Haut war gerötet. Das ganze befand sich auf der Innenseite des Oberarms, einer also eher untypischen Stelle. Insofern lag der Verdacht auf eine Zoonose zunächst nicht auf der Hand. Auch der bald konsultierte Hausarzt identifizierte die Stelle nur als »Ekzem« und verordnete eine Cortison-Salbe. Zwei erfahrene Igelpflegerinnen, denen ein Foto der Hautveränderung vorgelegt wurde, waren jedoch unabhängig voneinander sicher: Dies ist das typische Anfangsstadium bei einer Ansteckung mit Trichophyton.

Auf Empfehlung der einschlägig erfahrenen Igelexpertinnen wurde die Stelle zunächst ein Mal mit Enilconazol (Imaverol ®) behandelt, das bei Hautpilzerkrankungen von Pferden, Rindern und Hunden empfohlen, aber auch bei Hautpilzkranken Igeln für Bäder verwendet wird. Anschließend wurde drei Mal täglich eine Clotriamzol*-Salbe aufgetragen. Die Therapie schien anzuschlagen: Innerhalb kürzester Zeit verschwanden die »Pöckchen« und die Haut begann sich zu regenerieren...


Tag 0, noch unbehandelt


Tag 2 der Behandlung


Tag 8 der Behandlung

* Clotrimazol ist ein Breitbandantimykotikum, also ein Wirkstoff, der gegen Hautpilz-Infektionen verschiedenster Art eingesetzt werden kann. Es wirkt nicht nur gegen Fadenpilze (wie Trichophyton), sondern auch gegen Hefe- und Schimmelpilze.

... Pilzsporen wie die des Trichophyton aber sind hartnäckig und langlebig. Nach zweieinhalb Wochen ununterbrochener und unausgesetzter Behandlung ging das Ganze nicht nur von vorn los, sondern die ursprüngliche Stelle vergrößerte sich drastisch und wuchs trotz weiterer Behandlung.


17. Tag der Behandlung


18. Tag der Behandlung


20. Tag (2 Tage unbehandelt))

Am 21. Tag nach Beginn der Behandlung mit Clotrimazol wurde dann ein Hautarzt aufgesucht. Um eine Kultur ansetzen und dafür »Material« gewinnen zu können, war ab dem 18. Tag die Anwendung des Clotrimazol eingestellt worden. Entsprechend hatte sich die Stelle weiterentwickelt, Umfang und Juckreiz nahmen permanent zu.


22. Tag der Behandlung


23. Tag der Behandlung


26. Tag der Behandlung

Ab dem 22. Tag erfolgte dann die Behandlung auf Verordnung des Dermatologen mit einem anderen Wirkstoff, nämlich Ciclopirox-Olamin **. Eine gewisse Besserung stellte sich erst nach einigen Tagen ein. Die Pusteln bildeten sich langsam zurück, die Haut begann sich stellenweise zu schälen und der Juckreiz ließ nach.

**Ciclopirox wird vorbeugend und zur Behandlung von Pilzinfektionen eingesetzt; es hemmt das Pilzwachstum, indem der Wirkstoff in die Wände der Pilzzellen eindringt, die Zellmembran zerstört und damit die Nährstoffaufnahme verhindert. Ciclopirox zerstört Zellstrukturen und behindert die Zellteilung, so dass sich die Zellen des Pilzes weder regenerieren noch weiter vermehren können und absterben. Zudem wirkt das Mittel auch auf die Sporen, also die ruhende Überdauerungsform von Pilzen, und tötet diese ab.


27. Tag der Behandlung


32. Tag der Behandlung


38. Tag der Behandlung

Innerhalb von 7 bis 10 Tagen werde die Hautveränderung verschwinden, hatte der Dermatologe – leider etwas zu optimistisch – prognostiziert. Nach 6 bzw. 11 Tagen der Anwendung von Ciclopirox-Olamin, am insgesamt 27. bzw. 32. Behandlungstag, hatten sich die Symptome abgeschwächt und die Stelle war weniger dramatisch gerötet, aber weiterhin deutlich zu erkennen. Zudem reagierte nun die Haut mit Rötung auf die Salbe. 6 Tage später bildeten sich – trotz ununterbrochener Behandlung – sogar wieder kleine Pöckchen (Pfeile). Dies war der 17. Tag der Behandlung mit Ciclopirox-Olamin bzw. der 38. Tag nach dem ersten Behandlungsversuch.

Drei Wochen nach der Konsultation des Dermatologen liegt das Ergebnis der angelegten Pilzkultur vor. Es ist keine Überraschung: Trichophyton mentagrophytes, etwas leichter auszusprechen: »Igelpilz«: ;-) Sechs Wochen nach Start eines ersten Behandlungsversuchs ist eine Besserung eingetreten; es sind keine neuen Pöckchen dazugekommen, die neu aufgetretenen haben sich zurückgebildet, aber nach wie vor ist die befallene Stelle deutlich sichtbar und muss weiter mit Ciclopirox-Olamin behandelt werden.

frisch gewaschen kaum noch erkennbar

nach dem Einsalben gerötet und deutlich sichtbar

 

43. Tag der gesamten Behandlung bzw. 23. Tag der Therapie mit Ciclopirox-Olamin

Selbst nach dem Einsalben rötet sich die Stelle nicht mehr sehr stark, ohne Salbe und frisch gewaschen ist sie praktisch nicht mehr sichtbar. Dieses Bild entstand am 50. Tag nach Beginn der ersten Behandlung bzw. exakt 4 Wochen nach Beginn der Therapie mit Ciclopirox-Olamin. Erst wenn auch nach der Anwendung dieser Salbe keinerlei Rötung mehr zu sehen ist und zwei bis drei Wochen weiterbehandelt wurde, um einen Rückfall zu vermeiden, kann die Therapie als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden. In diesem Fall sind ziemlich exakt drei Monate vergangen vom ersten Behandlungsversuch bis zum Absetzen der Salbe 14 Tage nach Verschwinden sämtlicher Symptome!

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