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müder Igel

 

Winterschlaf –
(Über)leben auf Sparflamme

Was den Winterschlaf auslöst

Was Winterschlaf bedeutet und was dabei passiert

Das Aufwachen – ein Kraftakt

Igel überwintert, und nun?

 

Draußen vor dem Einsetzen von Dauerfrost und Schneefall zuzufüttern, ist auf jeden Fall besser, als einen untergewichtigen Jungigel spät aufnehmen und dann überwintern zu müssen! Denn:

Gesunde kräftige Igel schlafen im Winter.

Igel, die einen Winterschlaf unter natürlichen Bedingungen abhalten,
haben eine höhere Überlebensrate.

Wenn das Futter knapp wird, die Temperaturen sinken und die Hormonlage sich ändert, verabschieden sich die Igel in der freien Natur in den Winterschlaf. Zunächst, etwa im Oktober, ziehen sich die Männchen zurück. Die Weibchen sind noch drei, vier Wochen länger unterwegs, denn nachdem sie Junge großgezogen haben, müssen sie sich erst noch genügend Fettpolster anfuttern. Am längsten, zum Teil bis in den tiefen Dezember hinein, können Jungigel noch unterwegs sein. Wenn diese die verbleibenden Nächte vor dem Wintereinbruch nutzen, um ihre Fettreserven noch aufzufüllen, ist dies nicht ungewöhnlich. Sind sie aber tagsüber unterwegs, deutet dies darauf hin, dass sie ein gesundheitliches Problem haben. Diese Igel benötigen in aller Regel Hilfe und müssen aufgenommen und versorgt werden.

Aber auch ein Pflegling, der genesen und genügend aufgefüttert ist, sollte nicht im Zimmer überwintern, sondern draußen – bei niedrigen Temperaturen, witterungsgeschützt, betreut und ausbruchssicher.

Gönnen Sie ihrem Pflegling die Winterruhe!

Er sollte ein gut wärmegedämmtes Winterschlafhaus haben – am besten Karton in Karton:

Als Schlafhaus einen Karton mit Kantenlängen von ca. 30 cm. Über diesen einen größeren Karton mit Kantenlängen von ca. 40 cm stülpen oder das Schlafhaus in diesen größeren Karton hineinsetzen.
Den Zwischenraum zur Isolierung gegen Kälte mit viel Papier ausstopfen. In die Kartons direkt hintereinander liegende »Schlupflöcher« schneiden. Davor einen Bierdeckel lehnen!

So lang der Bierdeckel unverändert am Eingang lehnt, hat sich der Igel nicht aus dem Haus bewegt! Auf diese Weise kann bei der täglichen Kontrolle ohne Störung überprüft werden, ob der Igel wieder bzw. schon aktiv war oder noch schläft.


Was den Winterschlaf auflöst

Igel haben die perfekte Strategie, kalte nahrungsarme Zeit zu überbrücken: Sie drosseln ihr System, ihr ganzer Organismus läuft auf Sparflamme. Den Winterschlaf nennt man auch den »kleinen Tod«.

Es sind im wesentlichen drei wesentliche Faktoren, die den Winterschlaf auslösen:

  • der Rückgang des Nahrungsangebots
  • die sinkende Außentemperatur bei kürzer werdenden Tagen
  • hormonelle Vorgänge im Körper des Igels

Sinken die Temperaturen zum Herbstende/Winteranfang und bleiben anhaltend um 6 °C, ist das sind für Igel fatal. Sie fallen in einen kräftezehrenden Dämmerschlaf und nehmen dabei schnell und stark ab, weil der Stoffwechsel noch aktiv ist und wertvolle Energie – die überlebensichtigen Fettreserven – ver- bzw. aufbraucht. Unter Umständen wacht der Igel auf und der Hunger treibt ihn zur Futtersuche. Doch das einzige, was der Insektenfresser in der feucht-kühlen, eigentlich zu milden Übergangszeit vielleicht noch findet, sind Schnecken und Regenwürmer – und die sind die Überträger diverser Innenparasiten. Mit dem Wurmbefall kann er sich dann auch noch eine sekundäre Infektion einhandeln.

Erst wenn es dauerhaft frostig kalt ist und bleibt, schlafen die Igel richtig ein. Junge Igel, die ihren ersten Winterschlaf halten, »üben« gewissermaßen auch noch und wachen immer mal wieder auf. Unterbrechungen des Winterschlaf an sich sind aber normal; die Zeit des Winterschlafs verbringen die Tiere nur zu etwa 80 Prozent schlafend, bleiben aber in einer kurzen Wachphase meist im Nest. Vereinzelt verlassen Igel für einige Zeit ihr Schlafnest und sind aktiv. Wenn dafür nicht Störungen verantwortlich sind, liegt es nahe, dass die Fettreserven aufgezehrt sind, der Igel deshalb erwacht und auf Nahrungssuche geht. Eine weitere Ursache kann eine Art »Reset« sein, bei dem quasi der massiv zurückgefahrenen Stoffwechsel auf normale Werte zurückgesetzt wird.


Was Winterschlaf bedeutet und was dabei passiert

Gesunde kräftige Igel, die einen Winterschlaf unter natürlichen Bedingungen abhalten, haben eine höhere Überlebensrate. Normalerweise erwachen Igel, die ohne menschliche Hilfe im Freien überwintern, je nach Witterung und Winterschlafbeginn ab Ende März bis Ende April aus ihrem Winterschlaf. Dieser ist kein Schlaf in menschlichem Sinne, denn alle wichtigen Körperfunktionen sind radikal reduziert: So nähert sich die Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an und sinkt um 30 °C auf etwa 5 °C; erst wenn das Thermometer auf 0 °C oder weniger abfällt, produziert der Körper wieder etwas Wärme, um dem Erfrieren entgegenzuwirken. Anstelle von 160 bis 200 Mal schlägt das Igelherz nur noch ganze 12 bis 2 Mal pro Minute. Statt etwa 50 Atemzügen sind nur noch vier Atemzüge in der Minute auszumachen. Auch der Blutzuckerspiegel sinkt. Sinn der Übung ist das Einsparen von Energie, um die drei bis fünf, sechs Monate zu überbrücken, in denen die Natur dem Insektenfresser keine Nahrung bietet. Denn genau so lang schläft der Igel normalerweise.

Schon in »normalen« Wintern wachen 60 bis 80 Prozent der Jungigel nicht mehr aus dem Winterschlaf auf. Ist es draußen mild, unterbrechen Igel häufiger ihren Winterschlaf – mit bösen Folgen. Igel haben zweierlei Fett, weißes und braunes. In weißen Fettzellen wird Energie gespeichert, das braune Fett braucht der Igel, um nach einem Winterschlaf von ca. 5 °C Körpertemperatur wieder auf ihre normale Temperatur von etwa 35 °C zu kommen. Dieses braune Fett sitzt im Nacken des Igels und funktioniert wie ein Ofen, der den Körper mit Fett wieder aufheizt. Ist die Reserve an braunem Fett durch wiederholtes Aufwachen abgeschmolzen, passiert es, ein Igel nicht mehr aus dem Winterschlaf erwacht, auch wenn er ein gutes Polsters hellen Fettes hat.


Das Aufwachen – ein Kraftakt

Das Aufwachen aus dem Winterschlaf ist ein extrem kräftezehrender Vorgang, der etwa zwölf Stunden dauert. Das Reaktivieren der normalen Körperfunktionen ist mit heftigen Stoffwechsel-Prozessen verbunden. Ein Anzeichen dafür ist eine erhöhte Herzschlagfrequenz. Das Herz schlägt nicht mit den in aktiven Zeiten üblichen 180 Schlägen pro Minute. Vielmehr hat das Tier quasi »Herzklopfen« mit kurzzeitig bis zu 325 Schlägen. Die Atemfrequenz ist ebenfalls deutlich erhöht, und der Igel holt bis zu 72 mal pro Minute Luft. Normal wären 30 bis 50 Atemzüge. Während das braune Fett ordentlich einheizt, steigt die Körpertemperatur sukzessive an, und irgendwann beginnt sich der Igel aufzurollen. In der letzten Phase des Aufwachprozesses zittert der Igel. Dieses Muskelzittern legt sich erst, wenn bis der Körper wieder seine optimale Betriebstemperatur erreicht hat.

Die ersten Schritte sind dann wacklig und mühsam. Was der wandelnde Kaktus jetzt benötigt, ist Wasser. Wer Igel in seinem Garten vermutet, kann ihnen helfen, den »Brand« zu löschen und ein Schälchen frisches Wasser bereitstellen. Mit einer größeren umgedrehten Kiste samt eingebauter Schwingtür lässt sich ein katzen- und rattensicherer Fressplatz einrichten, in dem für den hungrigen Stachelritter etwas Katzen-Nassfutter (mit hohem Fleischanteil!) bereitsteht, vielleicht angereichert mit ein wenig Rührei und ein paar Haferflocken. Wasser wie Futter müssen natürlich täglich erneuert werden!

Die ersten stacheligen Kameraden, die aus dem Winterschlaf erwachen, sind übrigens die Männchen – sie haben sich ja auch schon im Oktober aufs Ohr gelegt.


Igel überwintert, und nun?

Natürlich sollten auch Igel, die in menschliche Obhut aufgenommen wurden, ihren Winterschlaf halten können, damit ihr natürlicher Rhythmus erhalten bleibt bzw. dieser sich einstellen kann. Wenn man sie also ausbruchssicher in der Garage, im ungeheizten Gartenhaus oder in einem Außengehege auf der Terrasse schlafen lassen hat, stellt sich zum Frühjahr hin die Frage: Was passiert, wenn der Igel nun wieder aufwacht?

Igel verlieren im Winterschlaf viel Gewicht: in der Regel sind es 20 bis 40 Prozent. In den ersten Tagen des Winterschlafs liegt die Gewichtsabnahme höher, später pendelt sie sich auf 1 bis 2 Gramm pro Tag ein. Der Gewichtsverlust ist also drastisch; ein Igelchen, das mit 600 Gramm eingeschlafen ist, bringt beim Aufwachen dann vielleicht nur noch knapp 400 Gramm auf die Waage.

Beim Aussetzen sollte der Igel ungefähr das Gewicht haben,
mit dem er in Winterschlaf gegangen ist.

Folgende Bedingungen sind für die Auswilderung im Frühjahr Voraussetzung:

  • Der Igel muss gesund sein, das heißt:
    der Appetit ist gut, sein Verhalten ist normal und der Kot sind unauffällig.

  • Das Gewicht muss stimmen, also erst auffüttern!
    Bei Jungigeln liegt das Zielgewicht bei 650 bis 700 Gramm.

  • Die Außentemperatur muss passen:
    am Tage sollten es mindestens 14°C sein, nachts sollte das Quecksilber nicht unter 8 °C fallen.

  • Die Natur muss erwacht sein, genügend Nahrungstiere und ausreichend Unterschlüpfe bieten: Erst wenn alles grünt und Bäume und Sträucher blühen, sind auch wieder reichlich Insekten unterwegs.

Je nach Region liegt der Aussetzzeitpunkt zwischen Mitte April und Mitte Mai.

Jung-Igel, die mit weniger als 200 Gramm aufgenommen wurden, brauchen eine Phase von etwa 14 Tagen in einem Auswilderungsgehege, in der sie betreut in Kontakt mit der Natur kommen und ihr Immunsystem trainiert wird. Es ist eine Zeit, in der sie lernen, sich natürliche Nahrung zu suchen. Sie sollten aber auf jeden Fall gleichzeitig noch zugefüttert werden.

Wenn es keine Argumente dagegen gibt, einen Igel am ursprünglichen Fundort wieder auszuwildern, z.B. Bautätigkeiten, große Straßen in der Nähe etc., wird der Igel in/mit seinem Schlafhäuschen gegen Abend an exakt der Stelle ausgesetzt, wo er aufgegriffen wurde. Es empfiehlt sich, noch einige Zeit abends eine Schale Futter und frisches Wasser bereitzustellen.