Innenparasiten beim Igel

Welche Parasitenstadien am häufigsten durch mikroskopische Kot-Untersuchungen zu finden sind

Durch ihre Lebensweise und die oft nicht artgerechten Bedingngen, unter denen sie heute leben, sind Igel häufig von Parasiten befallen. Während Außenparasiten relativ leicht zu entdecken und zu behandeln sind, fallen Innenparasiten (= Endoparasiten) – wenn überhaupt – vorrangig dadurch auf, dass sie typische Krankheitserscheinungen auslösen. Meist sind es Erkrankungen der Atemwege und der Verdauungsorgane. Symptome sind zum Beispiel vernehmbares Röcheln, anhaltendes Husten, Atemnot, Durchfall, grüner Kot, Blut im Kot, Appetitlosigkeit, Futterverweigerung und Gewichtsabnahme. Und meistens sind die betroffenen Tiere nicht nur von einer Parasitenart, sondern gleich von mehreren befallen.

Grob lassen sich Einzeller und verschiedene Würmer unterscheiden. Außerdem kann man zum Teil auch den Befall mit Pilzen wie Candida albicans über koproskopische Untersuchungen ermitteln. Unterm Mikroskop sieht man auch, ob etwa viele Bakterien vorhanden sind, die auf eine sekundäre Infektion hindeuten. Im Kot von Igeln ist eigentlich fast immer irgendwelche Hinweise auf Parasiten zu entdecken.(Wurmeier, Larven o.ä.). Die Interpretation des Gesehenen erfordert allerdings einige Übung. Doch nur wenn gewissermaßen der Feind namentlich bekannt ist, lässt sich der Igel gezielt behandeln. Nicht jede Medizin wirkt gegen jeden Parasiten!

Hier die häufigsten Parasiten und die jeweiligen charakteristischen (Krankheits-)Symptome:

Name / Einordnung

Symptome

Bilder

Lungenwürmer
(Crenosoma striatum)

Stamm: Nematoden (Fadenwürmer). Parasitieren in Lunge und Atemwegen

Röchelnder, rasselnder Atem, trockener Husten, Niesen, Nasenausfluss, Atemnot, manchmal Maulatmung, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme.

Lungenwurm-Larve

Lungenwurm-Larve

Darmhaar- und Lungenhaarwürmer
(Capillaria aerophila, erinacei, ovoreticulata)

Stamm: Nematoden (Fadenwürmer). Parasitieren in Darm bzw. Lunge

wie bei Lungenwürmern, auch Verschleimung, Atemprobleme, röchelndes Atemgeräusch, Hustenanfälle, Nasenausfluss bzw. Durchfall, evtl. Blut im Kot, z.T. schwere Entzündungen von Darmabschnitten, Schwächung und schnelle Verschlechterung des Allgemeinbefindens

 

(Die Eier von Lungenhaar- und Darmhaarwurm ähneln sich. Während die Seitenwände der Eier des Lungenhaarwurms bauchig gewölbt sind, stehen die Seitenwände der Eier des Darmhaarwurms C. ovoreticulata parallel zueinander. Der Darmhaarwurm C. erinacei hat leicht bauchige Seitenwände.)

Darmhaarwurm-Ei mit Lungenwurm-Larve

Darmhaarwurm-Ei, darunter Lungenwurm-Larve

Lungenhaarwurm-Ei

Lungenhaarwurm-Ei

Darmsaugwürmer
(Brachylaemus erinacei)

Stamm: Plathelminthes (Plattwürmer)

Unruhe, Appetitverlust, Durchfall (unangenehm riechend, z.T. blutig), Blutarmut, Abmagerung, blutige Entzündung von Darm und Gallengängen, rasche Verschlechterung des Allgemeinbefindens.

Darmsaugwurm-Ei

Darmsaugwurm-Ei

Kokzidien
(Isospora rastegaievae, Isospora erinacei u.a.)

parasitisch lebende Einzeller

Durchfall (oft grünlich und übel riechend), z.T. wässrig und blutig, Abmagerung, Unruhe, starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, in der Folge oft Lähmungen der Hinterbeine.

Kokzidien-Oozysten

unsporuliert und sporuliert

Giardien
(Giardia)

im Dünndarm lebende Einzeller, mit einer Haftscheibe und Geißeln ausgestattet

schleimiger Kot, z.T. wässriger Durchfall, Gewichtsabnahme, große Unruhe.

Giardien

Giardien

Bandwürmer
(Hymenolepsis erinacei)

Stamm: Cestoden

stetiges Abmagern trotz guten Appetits, Unruhe, gelegentlich Durchfall, z.T. mit Blutbeimengung bzw. Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, rasche Verschlechterung des Allgemeinbefindens.

(Mit bloßem Auge sind die reiskornähnlichen Glieder der Bandwürmer zu erkennen, die mit dem Igelkot ausgeschieden werden.)

Bandwurm-Ei

 © Dora Lambert

Bandwurm-Ei, im Kreis ist die 6-Haken-Larve

Diese Tabelle ist Auszug einer ausführlichen Ausarbeitung von mir, die neben Bildern und Grafiken zusätzliche Informationen zu Präpatenzzeiten, Entwicklungszyklen der Parasiten sowie Therapie-Empfehlungen (nach Pro Igel e.V.) enthält. Eine Leseprobe dazu und eine Information zum Download finden Sie hier.

Text und Fotos © Maja Langsdorff, 2016

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