Stachlige Passion

Ein Leben für den Igelschutz

»Urlaub, Wochenende, Feierabend – das sind Begriffe, die im Vokabular der bmeisten Menschen nicht vorkommen, die sich aktiv und ambitioniert in die Igelhilfe und den Igelschutz einbringen. Oft kreist ihr gesamtes Leben um die liebenswerten Stachler. Im Alltag geben medizinische Behandlung und zeitraubende Routinearbeiten bei Pflege und Betreuung den Takt vor, wenn man sich um hilfsbedürftige Igel kümmert.

Eine Igelstation zu betreiben, bedeutet weitaus mehr, als niedliche Stachelkugeln aufzunehmen und zu päppeln.Ballett - und dann? Die allermeisten Igel kommen in einem Zustand zu den Igelpflegern, der schlecht, erbärmlich, bisweilen fast hoffnungslos ist: voller Zecken und Flöhe, hustend, innerlich verwurmt. Sie haben offene, blutige und eitrige Wunden,aus denen manchmal schon Fliegenmaden herauskriechen. Sie sind bis auf Haut und Knochen abgemagert oder haben kahle Stellen im Stachelkleid – eine Folge von Hauterkrankungen oder Mangelernährung. Sie werden aufgesammelt als verwaiste federleichte Säuglinge, deren Mutter totgefahren wurde, durch Gifte im Garten umkam oder motorbetriebenen Gartengeräten zum Opfer fiel. Fast immer gilt es schnell zu handeln, was eine hohe Kompetenz voraussetzt. Und nicht selten werden die Tiere immer dann abgegeben, wenn ohnehin kein Tierarzt mehr Sprechstunde hat, zum Beispiel spätabends oder an Feiertagen.

Notfälle – und das sind aufgefundene Igel nicht selten –kennen keine Ruhezeiten. Und Igelfinder erwarten häufig mit großer Selbstverständlichkeit von denen, die sich auskennen, Hilfe zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei es am Telefon oder in der Station. Oft wird dabei übersehen, dass hier hochmotivierte Privatleute ehrenamtlich um die stacheligen Patienten kämpfen – ohne jegliche staatliche Unterstützung, also auf eigene Kosten und auf Spenden angewiesen. Sie agieren beengt in eigenen Räumen, bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus. Hin und wieder stecken Tierfreunde ihnen aus Dankbarkeit ein Scheinchen in die Igelsparbüchse. Sie sind froh, ihre Igel in guten Händen zu wissen. So füllen sich, besonders in der Saison, schnell die Igelboxen und Igelkäfige, und die ganze Arbeit lastet auf den Schultern der Igelschützer...«

(Auszug aus der Einleitung)

 

In dem Buch werden die Geschichten von zwölf Frauen und einem Mann erzählt, die ihr Leben, ihre Energie und ihre Zeit ganz den Igeln und dem Igelschutz widmen bzw. gewidmet haben. Die Porträtierten haben mir als Autorin in intensiven und langen Interviews von ihrem Alltag mit einer großen stacheligen Leidenschaft berichtet und auch Privates preisgegeben. Zum Zeitpunkt der Befragung waren sie im Alter zwischen 64 und 84 Jahren. Im Schnitt hatten sie sich drei Jahrzehnte um die liebenswerten Stachelritter gekümmert, manche ein halbes Leben lang, und sie alle hatten sich aktiv für den Schutz dieser urtümlichen Wildtiere und ihrer schwindenden Lebensräume eingesetzt. Etliche von ihnen sind noch immer aktiv.

Die »Stachlige Passion« dokumentiert mit diesen persönlichen Geschichten zugleich ein Stück Igelschutz-Geschichte und zeigt auf, welch unbezahlbare – und unbezahlte – Aufbauarbeit diese hochengagierten Menschen in der Igelhilfe geleistet haben.

Pro Igel, der bundesweit tätige Verein für integrierten Naturschutz, möchte mit diesem Ein- und Rückblick in die kurative Igelpflege der zurückliegenden Jahrzehnte den Porträtierten ein kleines Denkmal setzen, ihnen für ihre immense Lebensleistung danken und gleichzeitig ihren wertvollen Wissens- und Erfahrungsschatz anderen zugänglich machen.

Maja Langsdorff:

»Stachlige Passion. Ein Leben für den Igelschutz«

erschienen als Band 9 der Pro Igel-Reihe IGELWISSEN kompakt

Verlag Pro Igel e.V., Münster/Westf. 2019, ISBN 978-3-940377-22-7
172 Seiten, 17,50 Euro

 

Bezugsmöglichkeiten

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